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Demokratie? Wo?

In aller Munde ist das geflügelte Wort. Politiker aller Coleur beschwören das Dogma der Demokratie. Doch wie sieht es damit in der Wirklichkeit aus? Seit geraumer Zeit werden sogar im Namen der Demokratie Kriege gegen sogenannte “Schurkenstaaten” geführt.

Versuch einer Definition

Das Wort Demokratie leitet sich aus dem griechischem “Demos” [Dorf,Volk] und “Kratia” [Herrschaft] ab. Wobei der Begriff Volk sehr eng gefasst war. Er umfaste nur einen Bruchteil der Bevölkerung, nämlich die wohlhabenden, über 20-jährigen, männlichen und waffentragenden Mitglieder. Mitnichten also, was wir heute darunter verstehen.[1]

Die heutige Demokratie lebt von Transparenz, Öffentlichkeit, Teilhabe und Kontrolle durch den Souverän (das Volk). Zumindest in der Theorie.

Die veschiedenen Ausprägungen
  • Parlamentarische Demokratie (USA?)
  • Representative Demokratie (Deutschland, das Volk wählt die Repräsentanten, die wiederum die politischen Entscheidungen treffen)
  • Konkordanz (Kompromiss)-Demokratie
  • Plebiszitäre (direkte) Demokratie (Schweiz, das Volk hat auf allen Ebenen direktdemokratische Mitspracherechte)
  • Demarchie (Volksvertreter werden per Zufall aus dem Volk gewählt)
  • Mischformen untereinander
Demokratie heute

In “Das Politlexikon” können wir lesen[2]:

1) … das Volk oberster Souverän und oberste Legitimation politischen Handelns. Das bedeutet i.d.R. jedoch nicht, dass das Volk unmittelbar die Herrschaft ausübt.

2) Vielmehr sind die modernen Massen-Demokratien durch politische und gesellschaftliche Einrichtungen (Parlamente, Parteien, Verbände etc.) geprägt, die die Teilhabe des größten Teils der Bevölkerung auf gesetzlich geregelte Teilhabeverfahren (z.B. Wahlen) beschränken. Genauer wird zwischen repräsentativer Demokratie (in der gewählte Abgeordnete das Volk “in seiner Gesamtheit vertreten”) und direkter Demokratie (z.B. einigen Bundesstaaten der USA, in der Schweiz) unterschieden.

3) Die Ausübung politischer Herrschaft wird zunächst durch das Rechtsstaatsprinzip beschränkt, indem die Grund- und Menschenrechte sowie die politische Organisation und die Verteilung der politischen Zuständigkeiten in (i.d.R. schriftlich niedergelegten) Verfassungen garantiert werden. Diese Rechte und Regelungen sind darüber hinaus einklagbar und gelten insbesondere gegenüber den staatlichen Gewalten (Rechtsstaatsprinzip).

4) Unmittelbar wird die politische Machtausübung durch die horizontale Gewaltenteilung moderner Demokratien (Legislative, Exekutive, Judikative), die zu einer gegenseitigen Abhängigkeit und Kontrolle der staatlichen Organe führt, und durch einen mehrstufigen Staatsaufbau beschränkt, wie er besonders in der vertikalen Gewaltenteilung föderativer Staaten (Bundesstaaten) sichtbar wird.

5) Weitere wichtige mittelbare Beschränkungen politischer Macht ergeben sich aus der Kontrolle durch freie Medien (sog. Vierte Gewalt) und der Freiheit zum politischen Engagement in Parteien und Verbänden, Interessengruppen und Initiativen etc. Dieses Engagement kann Grundlage für weitere Demokratisierungsprozesse sein.[2]

Kritik

Zitat “mein Parteibuch”[3]:

Strikt zu unterscheiden ist zwischen den offiziellen stolz publizierten Spielregeln, die eine Steuerungsmöglichkeit durch einzelne konsequent verleugnen und gewissermaßen den Rahmen des in der Öffentlichkeit zu sehenden abstecken, und der Geschicklichkeit der Machthaber innerhalb diesen Rahmens durch den heimlichen Einsatz von Geld und Beziehungen nahezu jedes gewünschte Wahlergebnis möglichst punktgenau erreichen zu können, ohne dass die Steuerung durch die Herrscher allzu offensichtlich wird.

Die tragenden Säulen der Demokratie

Die tragenden Säulen der Demokratie

zu 3. Wo steht unsere Verfassung heute? Wie oft wurde sie umgeschrieben, angepasst und welcher Politiker in Deutschland hält sich noch daran? Wie oft landen Gesetzesvorschläge vor dem Bundesverfassungsgericht?

zu 4. Wenn die Legislative durch Einflussnahme dafür sorgt, dass nur genehme Vertreter in die Judikative gelangen und die Exekutive als willfährige Instrumente der Legislative fungieren, kann wohl nicht mehr von Gewaltenteilung die Rede sein.

zu 5. Ein Blick in die System-Medien offenbart, dass die sog. vierte Gewalt ihre Aufgabe nicht (mehr) wahr nimmt.

Warum erzählen uns Politiker, es gäbe keine Alternative zur Demokratie, bzw. die Alternative wäre Chaos und Anarchie?
Beschränkt sich die Demokratie darauf, alle vier Jahre sein Kreuz zu machen?
Warum wurde die Bevölkerung in Deutschland nicht gefragt, ob sie statt der “harten” D-Mark den Euro haben wollen?
Warum wird keine Volksabstimmung durchgeführt über die Europäische Verfassung? Wollte irgend jemand aus der Bevölkerung unsere “Demokratie” am Hindukush “verteidigen”?
Des Volkes Seele hat bisher noch immer gewusst, was gut ist für die Bevölkerung und was nicht.


Zitate

„Ich sehe den Untergang für jeden Staat kommen, indem nicht das Gesetz über den Herrscher bestimmt, sondern Dieser über das Gesetz.“
Platon

„Macht das Volk glauben, daß es regiert, und es wird sich regieren lassen.“
William Penn,1644 – 1718

„Ziviler Ungehorsam wird zu einer heiligen Pflicht, wenn der Staat den Boden des Rechts verlassen hat.“
Mahatma Gandhi

„Die Demokratie ist soviel wert wie diejenigen, die in ihrem Namen sprechen.”
Robert Schuman (1886-1963), frz. Politiker

„Demokratie ist, wenn ein europäisches Land in freien Wahlen seine Volksvertreter wählt und daraufhin vom Rest der EU demokratisch boykotiert wird.“
Meine Wenigkeit



[ siehe auch -› hier]


Quellen:
[1] Andreas Popp zur Demokratie (pdf-Datei)
[2] Klaus Schubert, Martina Klein: Das Politiklexikon. Verlag Dietz, Bonn. 2006
[3] Demokratie auf mein Parteibuch

Weiterführende Verweise
↑ Zu Demokratie auf Projektwerkstatt
↑ Zu Demokratie auf Geschichte-Schweiz.ch
Eine der tragenden Säulen der Demokratie in Aktion
↑ Offiziell genehme Demokratie-Definition auf Wikipedia


Nachwahl-Offenbahrungen

Das fängt ja gut an: Vor der Wahl wurden Steuererhöhungen kategorisch abgelehnt und sogar -senkungen erwogen. Aber man muss nur erfinderisch sein: sie haben ja nicht versprochen, dass es keine neuen Steuern geben würde.

Auch W.S., Chef von Miniwahr, lässt die Katze aus dem Sack. Zitat:

Der Minister gab handwerkliche Fehler beim sogenannten Zugangserschwerungsgesetz für Stoppschilder im Internet zu. Das Gesetz zum Schutz vor Kinderpornografie sei im Endspurt des Wahlkampfes auch deshalb entstanden, um die CDU gegenüber anderen Parteien abzusetzen.

Tja, liebe Establishment-Wähler: selber Schuld. Und das war nur der Anfang…

Ein bewegendes Statement

Beim allabendlichen Stöbern in der Weltnetzgemeinde bin ich auf einen offenen Brief des Herrn Uebele gestoßen. Ob und inwieweit sein Statement politischem Kalkül entspringt, vermag ich nicht zu sagen. Aber angesichts der zu erwartenden Repressalien seiner Partei-Genossen würde ich mal annehmen, dass es ehrlich gemeint ist. Beim Lesen habe ich gedacht: Hut ab. Ich bin mir sicher, je mehr Widerhall diese Aktion im Internet findet, desto früher werden wir davon in der Systempresse lesen. Vielleicht aber auch erst nach der Wahl, weil man Ungemach fürchtet und keine schlafenden Hunde wecken möchte. Schön zu sehen, dass es noch Parteigänger mit Gewissen gibt. Ich hebe mal folgendes Zitat hervor (Qelle):

…Ich will damit folgendes sagen: In den letzten Jahren beobachte ich einen Wandel in der Politik. Die Entstehung des Grundgesetzes beruhte auf mehreren Prinzipien, die die Idee des mündigen Bürgers, der Selbstregierung des Volkes durch das Volk sowie den Schutz des einzelnen Menschen vor dem Staat beinhalteten. Damals ging man davon aus, dass die Mehrheit der Bürger durchaus selbst wissen kann, was gut für sie ist, und nicht jede Straftat begeht, nur weil sie eine Möglichkeit hat. Daraus folgte, dass eine demokratisch gewählte Regierung die beste Staatsform ist, die die Interessen der Bürger vertritt und von ihr durch Wahlen kontrolliert werden kann. Der Staat sollte sich aus den privaten Belangen der Menschen heraushalten, sich auf die Regierung beschränken und dem Bürger gegenüber Rechenschaft tragen müssen.

Heute stellt sich die Situation anders dar: Es scheint die Meinung der Regierung zu sein, der Bürger müsse erzogen, kontrolliert, überwacht und zu seinem eigenen Besten durch Verbote von schädlichen Einflüssen ferngehalten werden. So wenig Vertrauen wird den Menschen noch entgegengebracht…

Das ist das Grundübel in unserer Korpokratie. Das Volk wird gezwungen, sich vor dem Staat und seinen Schergen zu rechfertigen. Eigentlich sollte es doch in einer Demokratie anders herum sein. Ach, was ich wieder denke, ich unbelehrbarer Idealist…

Vorwahl-Geschwalle

So so, Ex-Finanzminister sieht das Ende der Krise. Nachdem es noch im Oktober letzten Jahres in Deutschland gar keine Kriese gab, ist sie jetzt natürlich schon wieder fast vorbei. Damit reiht sich Stratthaus in die Riege der illustren Wahrsager unserer geliebten Bundesregierung ein. Da ja im September Wahlen stattfinden, dürfen die guten Nachrichten nicht abreißen. Es ist wie zu DDR-Zeiten: Vor der Wahl gab es Bananen und heute gibt es schöne Durchhalte-Parolen. Da wir ja alle möchten und vor allen Dingen die CDU selber auch, dass die heutige Regierung mit Frau Merkel an der Spitze wieder gewählt wird, müssen wir auch glauben, was der Herr Stratthaus da von sich gibt. Er ist doch vom Fach. Er war doch schließlich mal Finanz-Minister. Und außerdem ist er in der CDU. Wenn die sich in Finanz-Dingen nicht auskennen, wer denn sonst. Passend zui dieser schönen Parole kann man sich heute auf FTD.de ansehen, wie toll es auf dem Finanzsektor läuft. Ein Hoch auf unsere geliebte Bundesregierung!

Quelle FTD.de 2009-07-20 11:10:45

Quelle FTD.de 2009-07-20 11:10:45

So wird in Deutschland Meinung gemacht…

Die Ludwigsburger Kreiszeitung veröffentlichte heute einen Artikel über eine Forsa-Umfrage für den Stern und RTL.
O-Ton:

Bürger nehmen Union Wahlversprechen nicht ab
Nur fünf Prozent rechnen mit Steuersenkungen-CDU und CSU in Umfrage dennoch stabil

Was will man uns da suggerieren? Dass wir uns mittlerweile daran gewöhnt haben, dass vor der Wahl gelogen wird, dass sich die Balken biegen? Dass die Deutschen zu blöd sind, Konsequenzen zu ziehen?
Und weil es so schön rein passt, die obligatorische Vorwahl-Meldung:
Die Süddeutsche lässt sich mal wieder vor den Karren der Repressions-Behörden spannen.

Polizei fürchtet Terroranschlag
Treffen der Sicherheitsbehörden

01.07.2009, 17:28

Von H. Leyendecker

“Ungewöhnliches Hintergrundrauschen”: Sicherheitsexperten glauben, dass die Gefahr eines Terroranschlags in Deutschland vor der Bundestagswahl erheblich gestiegen ist.

Ein wohliger Angstschauer überkommt mich. Himmelseidank sind wir so gut geschützt.