Der Sender "Echo Moskaus" hat ein Interview mit Anchar Kochneva, Expertin für den Nahen Osten und seit über 17 Jahren in Syrien tätig, und Nikolai Sologubowski, Nahost-Experte und Schriftsteller, zu den Vorkommnissen in Syrien befragt. Puschkin vom "Gelben Forum" hat dankenswerter Weise einen Teil ins Deutsche übersetzt:
Frage an A.Kochneva: -"Wer sind die Entführer und wer wird entführt?"
A.Kochneva,-"Es sind Banditen. Banditen, die von Ausserhalb kommen, aber auch gewöhnliche Kriminelle aus dem Land. Es werden auch mannigfaltige Einrichtungen der Infrastruktur des Landes angegriffen. Dabei handelt es sich um Stromleitungen, Öl-Pipelines oder die Eisenbahnlinien. Man liest nur leider kaum etwas darüber."
Frage: -"Ich lese hier einen Bericht der Zeitung "El Af" - hier wird von Zusammenstößen in Choms berichtet, das sich zu einem Zentrum des Widerstandes gegen die Regierung entwickelt hat. Es gibt auch Opfer in Edlib und Damaskus. Am Mittwoch haben die Spezialeinheiten der syrischen Armee einen Aufstand in Choms niedergeschlagen. Dabei starben 50 Menschen. Lassen Sie uns dies untersuchen."
A.Kochneva:-“ Fangen wir folgendermaßen an - wer stirbt? - wir sehen die Bilder im syrischen Fernsehen. Es werden die Angehörigen des Militärs beerdigt. Die Krankenhäuser sind überfüllt mit Militärs. Das sind grösstenteils Leute, die in einen Hinterhalt geraten sind. Das sind keine Kämpfe.
Manchmal sterben 20 Menschen auf einmal in Folge solcher Angriffe aus dem Hinterhalt. Man sprengt Busse, die Soldaten transportieren. Worauf ich jedoch die Aufmerksamkeit lenken möchte - was sagt dieser Bericht? Choms wird als ein Zentrum der syrischen Opposition bezeichnet. Das stimmt jedoch nicht. Es gibt keinen Zentrum der so genannten Opposition. Und man braucht, damit man einen Grund hat, hinterrücks in das Land einzumarschieren, um sich hineinzuzwängen, entweder ein schlimmes Massacker, das man der syrischen Armee anhängen kann - das ist nicht gelungen, auch wenn es mehrere Versuche dazu gab. Oder man erschafft eine Art syrischen "Bengasi", damit man mit dem Finger darauf zeigen kann, um dann zu behaupten: Wir helfen der Opposition. Doch solange die irgendwo durch die Maisfelder rennen, wie es bisher gewesen ist, ist das keine nennenswerte Kraft-man kann hier nicht wirklich helfen. Es existiert kein Zentrum."
Frage:-" Wenn bis zu 20 Menschen in die Luft gesprengt werden?"
A.Kochneva:-" Dann ist dies Banditentum."
Frage: "Gut. Doch wer tut denn so etwas? Wer?"
A.Kochneva:-" Vor Kurzem erwischte man einige Afghanen. Denen wurde erzählt, sie sind in Palästina und kämpfen gegen Israel."
Frage:-"Hirnwäsche?"
A.Kochneva:-" Absolut. Man bringt sie ins Land, sie wissen nicht, wo sie sind und lässt sie nachts auf die Strassen. Woher sollen sie denn wissen, wo sie wirklich sind?"
N.Sologubowski: -" Es gibt auch Kämpfer aus Libyen dort, die von Türkei aus langsam einsickern. Damit sie die gleiche Sache weitermachen können, die sie schon in Libyen verrichtet haben."
Frage:-"Die Fernsehsender zeigen doch Demonstrationen in Damaskus und anderen Städten. Man sieht Massen an Menschen, die auf die Straßen gehen."
A.Kochneva:-"Das sind Demonstrationen für die Regierung. Dabei sieht man keine Plakate. Die Bilder sind von hinten aufgenommen.
N.Sologubowski:-"Demonstrationen, die unsere Delegation im August mitbekommen hat, waren alle für die aktuelle Regierung. Ich bin persönlich in Cham gewesen, wir haben die Vertreter der Opposition getroffen. Und schon damals hörte man den Singsang: Die Massenproteste würden durch die Armee Syriens niedergeschlagen. Dies haben wir nicht gesehen. Wir haben allerdings durch die Banditen selbst aufgenommene Chroniken gesehen, was sie mit Menschen machen, die sie entführen.
Die Vertreter der Opposition haben uns absolut ungestört von ihren Problemen berichten können.
In jedem Land gibt es solche. Probleme im Sozialbereich, im Bereich der Wirtschaft, Probleme in der Entwicklung zur Demokratie. Aber besonders interessant finde ich, wie wir die Situation wahrnehmen. Sie verlesen die Meldung und ich denke sofort: Stimmt diese überhaupt?"
Frage:-" Ich frage Sie darüber."
N.Sologubowski:-" An dem Tag,als wir Cham besuchten, wurde durch Al Jazeera vermeldet, dass der Bus mit der russischen Delegation beschossen wurde und dass es Tote gegeben hätte."
A.Kochneva:-" Und diese Dinge kommen andauernd."
N.Sologubowski:-"Wir sind nicht beschossen worden. Die sagen ganz einfach was sie wollen. Das Wichtigste dabei - für antisyrische Stimmung zu sorgen. In Syrien wäre alles schlecht."
A.Kochneva:-" Man möchte den Leuten Angst einjagen, damit sie selbst nicht kommen und sich die Situation ansehen, wie sie wirklich ist."
N.Sologubowski:-" Wissen Sie, das ist das gleiche Lied. Die tragischen Begebenheiten in Libyen, die zum Tode dieses wunderschönen Landes führten, dieses Schauspiel führt man nun in Syrien auf. Die haben einfach nicht genügend Hirnwindungen, um etwas neues auszudenken." ...
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